Menstruation – eine Strafe Gottes?

Menstruation – eine Strafe Gottes?

18. April 2018 0 Von Global-Gedacht

Das monatliche Bluten der Frauen ist das Zeichen der Fruchtbarkeit und des Lebens. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen wird Menstruation weltweit tabuisiert und ist mit Scham oder Furcht verbunden, je nach Land und Gesellschaft mehr oder weniger stark.

Über 50 verschiedene, zum Teil lebensbedrohliche menstruelle Tabus gibt es in Nepal. Die Aktivistin und Autorin Radha Paudel hat sie in einem Buch zusammengefasst. Damit reist sie von Dorf zu Dorf und erzählt den Menschen von der biologischen Notwendigkeit der Menstruation. Monatelange Überzeugungsarbeit ist nötig, um die Gemeinschaften dazu zu bewegen, ihre Frauen während ihrer Menstruation nicht mehr in Hütten oder Kuhställe zu verbannen und sie stattdessen am dörflichen Leben teilnehmen zu lassen. Auch wenn das bedeutet, dass manche Großmutter wochenlang das Essen ihrer menstruierenden Enkelin nicht anfasst oder sogar das Wasser dieser Familie nicht mehr trinkt.

Im Film „Chaupadi – Banished for Bleeding“ erzählt ein Mann, dass er vom Kontakt mit einer Frau während ihrer Menstruation einen steifen Nacken bekommen hätte. Diese Art von Aberglauben ist nur schwer aus den Köpfen der Menschen zu bekommen. Auch für allerlei Unglücke, Missernten oder Naturkatastrophen scheinen die blutenden Frauen verantwortlich zu sein, wenn sie nicht abgeschottet von der Gesellschaft in Hütten hausen. Dabei harren sie aus ohne ausreichende Nahrung und Wasser und ständig der Gefahr von Schlangenbissen, Hitze, Kälte und Vergewaltigungen ausgesetzt. Diese Form der menstruellen Beschränkungen gibt es nicht nur in ländlichen Regionen. Radha Paudel stellte fest, dass in rund 90% des Landes Frauen während der Menstruation vom Alltag ganz oder teilweise ausgeschlossen werden, auch in Städten wie Katmandu. Sogar in den USA und England lebt die gefährliche und erniedrigende Praxis innerhalb nepalesischer Gemeinschaften weiter.

Einen großen Einfluss auf die Verbreitung dieser Mythen haben die hinduistischen Dorfvorsteher. Selbst in den hinduistischen Schriften steht geschrieben, dass Menstruation eine Strafe Gottes sei. Diese übermächtige, religiös untermauerte Praktik zu beenden, das ist die Lebensaufgabe von Radha Paudel. Man sieht es der zierlichen, kaum 1,60m großen Frau auf den ersten Blick nicht an, aber wenn sie zu sprechen beginnt, erkennt man ihre Kämpferinnen-Natur. Geweckt wurde ihr Kampfgeist bereits als Kind, als sie die monatliche Ausgrenzung ihrer Mutter und Schwester, sowie die Vergewaltigung ihrer Schwester in einem Kuhstall mit ansehen musste.

Als gelernte Krankenpflegerin arbeitete sie während des 10-jährigen Bürgerkrieges in Nepal in einer abgelegenen Gebirgsregion in einem Krankenhaus. Dort war sie entsetzt über die Anzahl von Frauen, die wegen sexueller Gewalt und vermeidbaren Krankheiten das Krankenhaus aufsuchten und gründete daraufhin eine Organisation, die Radha Paudel Foundation. Dadurch erntete sie das Missfallen der zwei kriegsführenden Parteien und entkam Anschlägen auf ihre Person nur knapp. Auch nach Ende des Bürgerkrieges  erhält sie Anfeindungen und Morddrohungen. Ihre radikale Aufklärungsarbeit hat ihr jedoch auch zahlreiche Preise und Auszeichnungen sowie internationale mediale Aufmerksamkeit beschert. Diese nutzt sie, um über das Menstruationstabu ihres Landes zu berichten.

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Die Autorin und Aktivistin Rhada Paudel zu Besuch am Afro-Asiatischen Institut Salzburg im April 2018

 

Ihre Arbeit trägt Früchte. Sechs nepalesische Dörfer beendeten bereits die schädliche kulturelle Praxis. Das gelang Radha durch Bildung, Stärkung und Emanzipation der Frauen. Für sie ist Menstruation jedoch kein reines Frauenthema, Menstruation geht alle etwas an. Deshalb spricht Rahda auch mit Männern und religiöse Anführern. Für sie ist eine würdevolle Menstruation ein Menschenrecht, ohne das eine friedliche Gesellschaft nicht möglich ist. Deshalb kritisiert sie Hilfsorganisationen, die dieses Thema ausklammern oder auf die Verteilung von Monatshygiene reduzieren. Der Kern des Problems, die Stigmatisierung menstruierender Frauen, wird so nicht berührt.

Weitere Infos sowie die Möglichkeit, Radha bei ihrer Arbeit zu unterstützen:

Radha Paudel, MDM,MA,MEd,BN
Activist: Menstrual Rights and Rural Transformation
Author: Khalangama Hamala 2013 (best literary award 2014, available in Nepali, English) Dignified Menstruation, A minihandbook 2018
Poet:    Shantika Paliaharu (Steps for Peace) 2018
Founder, Radha Paudel Foundation
Former, Founder/President-Action Works Nepal

www.radhapaudelfoundation.org
www.radhapaudel.org

AWARDs:
USA-Nepal Humanitarian Service Award 2017
Nepal’s 75 Women Leaders 2016
DREAMS Hall of Fame 2014
Madan Purskar for Khalangama Hamala 2014 (Available: Nepali +English )
Social Worker Award 2013
Women Peace Maker 2012
N-Peace Award 2012