Ein Filmfestival, das afrikanische Lebensrealitäten aus afrikanischer Perspektive zeigt: Das war die Zielsetzung unserer ersten Afrika-Filmtage von 10. bis 12. Mai 2022 im Filmkulturzentrum „Das Kino“. Zeit für einen Rückblick auf drei Tage voller inspirierender Filmmomente und interkulturellem Austausch.

Vorbereitungen, Ziele & Grundsätzliches

Die Vorbereitungsarbeiten für ein Projekt dieser Größe starteten bereits erheblich früher, seit letztem Herbst lief die Projektplanung. Ausgehend von einem groben Konzept und ganz grundsätzlichen Vorstellungen, entwickelte sich mit der Zeit und durch die Einbeziehung von Expert*innen für das afrikanische Kino und den Vertreter*innen der afrikanischen Diaspora in Salzburg und Österreich ein abwechslungsreiches und vielfältiges Filmprogramm.

Vorrangiges Ziel war es, ein differenziertes und vielschichtiges Afrikabild zu zeichnen. Das Bild, welches die meisten Menschen in Österreich vom afrikanischen Kontinent haben bzw. welches vom Gros der Medien gezeichnet wird, entspricht kaum der komplexen Wirklichkeit und lebt allzu häufig von Vorurteilen und Abwertung, geprägt durch koloniale Vergangenheit sowie Gegenwart. Die Afrika-Filmtage setzten hier an und bieten einen Kontrapunkt zu verkürzten Afrika-Darstellungen und einseitigen Narrativen.

Organisiert wurde das Event vom Afro-Asiatischen Institut Salzburg, der Nachrichtenagentur „afrika.info“ und dem Salzburger Filmkulturzentrum „Das Kino“, welches auch die Räumlichkeiten zur Verfügung stellte und somit als Austragungsort der Filmtage fungierte. Das Programm wurde gefördert durch die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit, Stadt und Land Salzburg, die Dreikönigsaktion der katholischen Jungschar, die katholische Frauenbewegung Österreich und die Erzdiözese Salzburg. „Südwind Salzburg“, „Sei so frei“ und „EZA Fairer Handel“ unterstützen das Projekt als Kooperationspartner*innen.

Die Filmauswahl

Aus einer Vielzahl an Filmen, welche alle ins Konzept gepasst hätten, wurden schlussendlich fünf Werke ausgewählt, welche einen Einblick in die Vielfältigkeit und Komplexität des afrikanischen Kontinents geben sollen. Bei der Filmauswahl wurde großer Wert daraufgelegt, afrikanische Produktionen zu wählen, in denen auch tatsächlich afrikanische Filmschaffende und ihr Blick auf den Kontinent im Fokus stehen. Sie sollen eine Bühne für ihre Geschichten, Erzählweisen und Standpunkte erhalten. Neben dieser grundsätzlichen Herangehensweise wurde auch darauf geachtet, weibliche Lebensrealitäten ins Zentrum zu stellen um ihnen mehr Sichtbarkeit zu verleihen. Dies beinhaltet, dass Filme mit weiblichen Regisseurinnen und Schauspielerinnen einen wesentlichen Teil des Programms ausmachten.

Vier Spielfilme und ein Dokumentarfilm aus Algerien, Äthiopien, Kenia, Somalia und dem Sudan bildeten schlussendlich das Programm der Afrika-Filmtage 2022. Alle Filme wurden aufgrund der höheren Authentizität in der jeweiligen Originalsprache vorgeführt und mit deutscher oder englischer Übersetzung untertitelt.

Sujet Afrika-Filmtage 2022
Sujet der Afrika-Filmtage (by Philipp Lang)

Die Filmtage

Mit „Supa Modo“, einem sehr emotionalen Film, gelang am Abend des 10. Mai ein berührender Auftakt der Filmtage mit knapp 80 Besucher*innen. Die Geschichte eines unheilbar kranken Mädchens, das durch den herzerwärmenden Einsatz seiner Schwester und der Mithilfe der Dorfgemeinschaft den Traum erfüllt bekommt, eine Superheldin zu sein, berührte die Zuseher*innen des großen Kinosaals augenscheinlich. Vor der Ausstrahlung gab es eine kurze Einführung in das kenianische Filmschaffen von der Filmexpertin Aylin Basaran vom Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien. Im Anschluss an den Auftaktfilm konnten wir den Abend gemeinsam mit vielen Besucher*innen bei köstlichem kenianischen Fingerfood sowie Getränken und Knabbereien ausklingen lassen.

Der zweite Tag war geprägt vom Festivalprogramm, welches zwei höchst mitreißende Filme vorsah. Beide Werke hatten durch ihren stark politischen Hintergrund und die Thematisierung gesellschaftlicher und politischer Konflikte einen enormen Mehrwert und lieferten auch wichtige Bildungsarbeit. „Fig Tree“ (der erste der beiden Filme) spielt im Jahr 1989 und folgt dem Erwachsenwerden einer Teenagerin im äthiopischen Bürgerkrieg. Nach dem Film wurde ein Online-Interview mit Regisseurin Aälam-Warge Davidian und Hauptdarstellerin Betalehem Asmamawe gezeigt, welches vom Kulturanthropologen Till Simons und der äthiopischen Finanzmanagerin Tsige Semachew Berhanu geführt wurde. Dieses Interview ist auch auf unserem YouTube-Kanal nachzusehen. Der zweite Film „Papicha“ erzählt vom Mut einer jungen Studentin im Algerien der 1990er Jahre, wo sich die politische Situation stetig verschlechtert und vor allem für Frauen immer repressiver wird. Beide Filme zogen das Publikum spürbar in ihren Bann und sorgten mit Sicherheit für ein nachhaltig anhaltendes Filmerlebnis für die vielen Besucher*innen.

Der letzte Tag der Afrika-Filmtage wartete mit etwas ruhigeren Filmen auf. Sich darauf einzulassen war für das anwesende Publikum die wichtigste Aufgabe. „Life on the Horn” sorgte für einen besonderen Einstieg in den Abend. Der Kurzfilm zeigt mit eindringlichen Bildern und wenig Worten das Leben an der somalischen Küste, die durch eine Umweltkatastrophe auf erschreckende Art und Weise kontaminiert wurde. Zum Abschluss begleiteten wir in „Talking About Trees“ vier gealterte Filmfreunde bei ihrem Versuch, in der Stadt Omdurman im Sudan ein Freiluftkino wiederzubeleben. Gemeinsam mit vielen Interessierten ließen wir den Abend bei somalischem Fingerfood vom Verein “Talk Together“ und Getränken ausklingen.

Fazit

Die Afrika-Filmtage waren ein großer Erfolg. Über 300 Besucher*innen waren Teil dieser besonderen Veranstaltung und lernten durch fünf inspirierende Filme einen Ausschnitt der Vielfalt Afrikas kennen, welche darüber hinaus auch noch wichtige Bildungsarbeit leisteten. Ein Rahmenprogramm mit Filmgesprächen und Begegnungsmöglichkeiten bot eine vertiefende Auseinandersetzung mit den einzelnen Produktionen, ihren Geschichten und Themen.

Mit den Afrika-Filmtagen 2022 wurde der Grundstein für ein biennal oder triennal wiederkehrendes Festival gelegt, welches sich der Darstellung eines differenzierten Afrikabilds durch das Medium Film verschreibt. Die Filmtage sollen Afrika auch in Zukunft in seiner Vielfalt regelmäßig in die (Salzburger) Öffentlichkeit bringen. Es besteht die fest entschlossene Absicht, die Afrika-Filmtage in Salzburg zu einer fixen Einrichtung werden zu lassen. Die nächste Ausgabe sollte planmäßig in zwei Jahren, also 2024, über die Bühne gehen.

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