Josinta Kabugho mit dem Coffee For Future, EZA fairpicture

Im Laden läuft man an den fertigen, hübsch verpackten Kaffeebohnen vorbei und realisiert unter Umständen nicht immer, was für ein Aufwand, großes Streben und Unternehmen dahintersteckt. Ein Abend am 03. Oktober 2023 bei der EZA Fairer Handel GmbH erlaubte einen Einblick in die Prozesse und die Ambitionen. Zu Gast war die Geschäftsführerin Josinta Kabugho der BOCU, einer Partnerorganisation der EZA. Dabei stellte sie sich, ihren Betrieb und ihr Engagement zur Stärkung der Frauen in ihrer Gemeinschaft im Rahmen des Gesprächsabends vor.

Die BOCU und ihr Werdegang

Uganda ist zweitgrößter Kaffeeproduzent Afrikas und weltweit auf Platz 10. Heute ist ein Teil dieser Produktion der Bukonzo Organic Farmers Cooperative Union (BOCU) mit Hauptsitz in der südwestlich gelegenen Stadt Kasese zu verdanken. Gezählt werden momentan 13 Primärkooperativen und 4100 Mitglieder. Der Fokus der Union, wie sie heute besteht, liegt dabei auf biologisch produziertem und fair gehandeltem Kaffee.

2006 fanden sich in der Region einige NGOs zusammen, die biologischen Kaffee vermarkten wollten. Sie wussten jedoch nicht, wie und wo sie ihn verkaufen sollten. Beim Besuch einer Biofachmesse in Deutschland wurde dann die Idee geboren, einen Dachverband der Kaffee anbauenden Produzent*innen zu gründen und eine offizielle Biozertifizierung anzustreben. 2009 kam es dann zur Gründung der BOCU. 2011 erhielten sie ihre Biozertifizierung und 2013 die Fair Trade Zertifizierung. Seit 2018 sind sie Partnerorganisation der EZA.

Was es bedeutet, Mitglied zu werden und zu sein

Bäuerin sammelt rote, reife Kirschen im Garten, EZA fairpicture

Als aspirierende*r Produzent*in bei der BOCU muss man zwei Voraussetzungen erfüllen. Zum einen Kaffee anzubauen und zum anderen dazu bereit zu sein, sich dem Zertifizierungsprozess auf biologischen und Fair-Trade-Betrieb zu unterziehen. Der Dachverband übernimmt die Kosten für die genannten Zertifizierungen. Im Rahmen eben dieser Prozesse werden seitens der BOCU Schulungen, etwa zum Thema Anbausysteme, und Kontrollen organisiert. Außerdem besteht die Möglichkeit, Mikrofinanzierungen, Agrarkredite und Darlehen zu erhalten. Darüber hinaus sind alle Mitglieder Eigentümer*innen ihres Landes, welches im Durchschnitt eine Fläche von 0,5 bis 3 Hektar einnimmt.

In den jeweiligen Gemeinschaften und Haushalten der Produzent*innen werden weiters Straßennetze und Trinkwassersysteme installiert. Letztere dienen unter anderem dem Betrieb der Kaffeekirschen-Waschstationen, die mittels Fair-Trade-Prämiengeldern finanziert werden. Vor allem erleichtern die Trinkwassersysteme jedoch die allgemeine Wasserversorgung der Bäuerinnen*Bauern. Indem nicht mehr der Weg zum Fluss auf sich genommen werden muss, um Wasser zu holen, wird auch viel Zeit gespart.

Die Haushalte werden zudem mit sparsamen Holzöfen ausgestattet. (Zu diesen soll in einem noch folgenden Abschnitt mehr über den Aspekt der Umweltfreundlichkeit gesagt werden.) Für die Familien selbst bedeuten diese Öfen zunächst weniger Hitze und Rauch im Haus. Vorher wurde bei offenem Feuer in geschlossenen Räumen gearbeitet. Mit den Öfen ist die Flamme nun eingeschlossen und der Rauch kann über einen Abzug nach draußen geleitet werden. Somit bleiben die Küche sowie die sich darin befindenden Utensilien ebenso sauber.

Der Betrieb selbst ist familiär organisiert. Es wird ohne Maschinerie, sondern mit Hand gearbeitet. Am Fuße des Rwenzori-Gebirges, wo angebaut wird, ist der Einsatz von Maschinen nämlich keine Option. Neben Kaffee werden auch Vanille, Soja, Erdnüsse, Mais, Bohnen, Bananen, Kartoffeln, Maniok sowie Süßkartoffeln angebaut. Des Weiteren wird der Anbau von Maracujas und die Bienenzucht gefördert. All diese landwirtschaftlichen Erzeugnisse werden sowohl selbst konsumiert als auch weiterverkauft.

Bilder von links nach rechts: 1) Schritt 1: schwimmende rote, reife Kirschen vor dem Wiegen bei der Waschstation, EZA fairpicture – 2) Schritt 3: Wiegen und Schälen des Kaffees, EZA fairpicture – 3) Schritt 9: Wiegen des Kaffees, EZA fairpicture

Bemühungen um die Umwelt

Zwecks des besseren Einklangs mit der Natur werden die verschiedenen Früchte abwechselnd angebaut. Auf diese Weise werden die Nährstoffe des Bodens nicht zu einseitig beansprucht. Zusätzlich zur Sorge um den Boden betreibt die BOCU das „Boer Goat“-Projekt. Dabei wird an die Bäuerinnen*Bauern jeweils eine Burenziege gegeben. Durch diese ist für Dünger und in weiterer Folge bessere Erträge und besser gepflegten Agrarboden gesorgt.

Mit einer zusätzlichen Klimaschutzprämie der EZA Fairer Handel werden Kaffeegenossenschaften außerdem bei der Umsetzung klimafreundlicher Maßnahmen unterstützt. Die vorher angesprochenen derzeit insgesamt 3002 Holzöfen wurden mittels der Klimaprämie des „Coffee For Future“ finanziert. Im Vergleich zu den vorher eingesetzten Feuerstellen sind diese Öfen um Längen energieeffizienter und umweltfreundlicher. Das wiederum resultiert in der Reduktion des Holzverbrauchs um 50%, in Kosten- und Zeitersparnis. Die Emissionen betreffend werden um die 9000 Tonnen weniger CO2 produziert.

Etwas für die Umwelt zu tun, ist der BOCU ein großes Anliegen. Obwohl Uganda eines der wenigen Länder ist, die keine Klimaschäden verursachen, ist es dennoch vom globalen Klimawandel betroffen. Sowohl die Produzent*innen als auch demzufolge das Unternehmen der Union als Ganzes leiden unterden klimatischen Veränderungen und Schwankungen. Bei dem Qualitätstest der Kaffeekirschen nach der Ernte, sind immer mehr nicht gut genug für den Qualitätsanspruch der Union und dahingehend auszusortieren. Studien zufolge sollen die Kaffeeblüten bis 2050 auf 50% vermindert sein. Wie man sich vorstellen kann, ist davon nicht nur ihre Kaffeeernte betroffen, sondern auch alle anderen landwirtschaftlichen Erträge. Hier appellierte Josinta Kabugho während des Veranstaltungsabends bei der EZA an die absolut notwendige Zusammenarbeit der Produzent*innen, Regierenden und auch Käufer*innen gegen den Klimawandel.

Die Frauen im Betrieb

Zusätzlich zur Umweltfrage ist Josinta Kabugho, wie eingangs erwähnt, auch der vermehrte Miteinbezug von Frauen ins Unternehmen ein Anliegen. Sie selbst war von insgesamt vier die einzige weibliche Kandidatin für den Posten der Geschäftsleitung, den sie nun bekleidet. Einstweilen sind es meist Frauen, die auf den Feldern arbeiten und das Pflücken des Kaffees übernehmen. Währenddessen sind es die Männer, die die Kaffeekirschen zu den Waschstationen bringen und dort dann auch die Bezahlung in bar erhalten. Zu Hause muss dann verhandelt werden, wer die Verwaltung der Finanzen bestimmt. Im Rahmen der Genderpolitik des Unternehmens wird versucht, auf die Männer zuzugehen und das Mitspracherecht der Frauen bei den Finanzen zu propagieren. Eine solche Haltungsänderung innerhalb der Gesellschaft benötigt jedoch Zeit, bis Veränderung tatsächlich sichtbar wird.

Wo die Ernährungssicherheit mit reinspielt

Die Frauen sind letzten Endes dafür zuständig, Essen auf den Tisch zu bringen. Ernährungssicherheit (food security) spielt dabei eine große Rolle. 1948 ist diese in der Universal Declaration of Human Rights erstmals offiziell zum Thema gemacht worden. Dabei wird das Prinzip vertreten, dass jeder Mensch ein Recht darauf hat, keinen Hunger leiden zu müssen und sowohl physischen als auch ökonomischen Zugang zu ausreichend, sicherem und nahrhaftem Essen haben muss, wie es später auch während des World Food Summit 1996 festgehalten wurde. Die Aufgabe, die Ernährungssicherheit zu gewähren, wird allerdings gleichermaßen vom Klimawandel erschwert und in Gefahr gebracht.

Ausblicke für die Zukunft

Abschließend ist also festzuhalten, dass etwas gegen das Fortschreiten des Klimawandels, für die verstärkte Durchsetzung der Ernährungssicherheit und für den vermehrten Miteinbezug von Frauen im Geschäft und Familienbund getan werden muss. Folgende Punkte sind dabei zusammenfassend gesagt notwendig: Eine Haltungsänderung in der Produktion und dem Konsum von Lebensmitteln, sowohl auf sozialer als auch politischer Ebene. Unterstützung kleinerer, lokaler Farmbetriebe im globalen Wettkampf mit Billigpreisen und Billigexport. Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten an die Bäuerinnen*Bauern. Eine Optimierung der Arbeitsbedingungen und sozialen Verhältnisse. Anerkennung der Arbeit von Frauen und gleichzeitig erleichterter Zugang zu Bildungsprogrammen für sie. Und wie beschrieben ist die BOCU einer der Betriebe, die ihren Beitrag zur Umsetzung dieser Verbesserungen leisten will. Hätte Josinta Kabugho zusätzlich einen Wunsch frei, würde sie sich ihren Traum verwirklichen, dass die BOCU irgendwann den besten Bio- und Fairtrade-Kaffee Ugandas produziert.

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