Die richtigen Worte finden

Beginnen wir die Konversation über Menstruationsprodukte, und zwar ganz am Anfang und beim Grundlegenden. Oftmals wurden und werden besagte Produkte noch als „Hygieneartikel“ bezeichnet. Welche Andeutung steckt darin? Dass die monatliche Blutung etwas Unhygienisches ist. Diese Andeutung stammt von und führt wiederum zu häufig falschen Vorstellungen und Stigmatisierungen der Blutung wie auch zu verzerrten Haltungen gegenüber Menstruierenden selbst. Aus diesem Grund wollen wir im Folgenden wie auch jenseits dieses Artikels bewusst die Verwendung der Begriffe „Menstruationsartikel“ beziehungsweise „-produkte“ oder auch „Menstruationsgesundheit“ anstatt etwa „Menstruationshygiene“ befürworten und mittragen.

Menstrual Health Day
CC BY-NC-2.0 AAI Salzburg 2024

Geschichte der Menstruationsprodukte

Nun ist es spannend, einen Blick in die Geschichte und Entwicklung der Menstruationsprodukte zu werfen. In den 1920ern und 1930ern kamen einige Produkte auf den Markt, die noch heute oder gar besonders heute geläufig und im Gebrauch sind. Die Menstruationstasse gab es damals bereits, doch wurde sie von den Tampons im weiteren Verlauf abgehängt und konnte erst in den letzten Jahren für viele als neue Innovation geltend ihr eigentliches Comeback machen. In den 1970ern ergänzten Binden mit Klebestreifen das Produktangebot. Viel weiter in der Geschichte zurückliegend sind beispielsweise Binden aus Papyrus oder aus der Antike mit Leinen umwickelte Holzstückchen als Vorläufer heutiger Tampons belegt. Ansonsten wurden später Lumpen genutzt oder das sogenannte free bleeding praktiziert, bei dem auf die Verwendung von Menstruationsprodukten verzichtet wird. Dabei ist Aufmerksamkeit und ein gutes Körpergefühl gefragt, um zu wissen, wann die nächste Absonderung von Menstruationsblut kurz bevorsteht, um rechtzeitig die Toilette aufzusuchen. Oder aber wurde zwecks des free bleedings während viktorianischer Zeiten in britischen Fabriken, in denen Menstruierende arbeiteten, Sägemehl auf den Boden gestreut und am Ende des Tages ausgetauscht.

Break the Taboo

Allein dieses letzte Beispiel zeigt ebenso eine unterschiedliche Herangehensweise und Haltung gegenüber der Periode im Vergleich zu Zeiten davor oder danach. Anders als zumindest über das vergangene Jahrhundert hinweg bis heute war die Periode nicht immer oder überall etwas, was geheim gehalten wurde. Werbung trug nun die längste Zeit dazu bei, dass dem bis zum heutigen Tag weitestgehend so war und ist. Lange Zeit war Fernsehwerbung über Menstruationsprodukte generell verboten und sobald es doch gestattet war, forcierte sie mittels der Wortwahl in der Produktanpreisung das Gefühl von Scham, Tabu und der Notwendigkeit, die Monatsblutung geheim zu halten. So werden Menstruationsprodukte als „diskret“, „sicher“ und „schützend“ beworben. Eine negierende Haltung in Werbungen gegenüber dem Menstruationsblut zeigte sich lange Zeit auch in der Darstellung des Blutes in Blau statt in Rot.

AAI Salzburg 2024

Period Positivity

Und jetzt liegt es an uns, gegen die Tabuisierung und Stigmatisierung der Monatsblutung anzugehen. Es bedarf einer offeneren Gesprächsbasis zur Aufklärung über die Periode – was sie ist und vor allem, was sie nicht ist: Kein Grund zur Scham. Zeitgleich ist es empfehlenswert, sich über die Produkt(aus)wahl Gedanken zu machen und neben den sozialen, auf Menschenrechte und Würde aller Menstruierenden bezogenen Aspekten auch die der Umwelt zu bedenken. Die Entwicklung hin zur am weitesten verbreiteten Nutzung von Einwegprodukten kann nicht weiterhin und auf ewig getragen werden. Für all das und mehr wollen wir uns als AAI in verschiedensten Formen einsetzen. Angefangen mit unserer jährlichen Aktion zum Dignified Menstruation Day am 08. Dezember in Solidarität mit der Global South Coalition for Dignified Menstruation (GSCDM) sowie die von der Nepalesin Radha Paudel gegründeten, gleichnamigen Foundation. Sei auch Du dazu herzlich eingeladen und lass uns gemeinsam weiter in Richtung würdevoller Menstruation in all ihren Facetten denken und handeln.

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