Beim letzten Vortag der diesjährigen „Entwicklungspolitischen Hochschulwochen“ stellte die Umweltökonomin Zsófia Tölgyi – im Rahmen einer Lehrveranstaltung von Stefanie Hürtgen (Universität Salzburg) – das Projekt Nager IT vor, welches die Herstellung fairer Computermäuse verfolgt. Tölgyi ist seit 2016 im Team der Nager IT und sprach über die Anfänge der Initiative, deren Grundsätze sowie erlebte Schwierigkeiten.

Pionierphase

Das Projekt begann 2009 mit der Idee der Gründerin Susanne Jordan, sich der Marktlücke von fair gefertigten IT-Artikeln anzunehmen. „Faire Fertigungsbedingungen“ – in Jordans Verständnis müsse dies neben einer angemessenen Bezahlung, Gesundheitsschutz sowie sozialer Absicherung für Arbeiter_innen auch regulierte Arbeitszeiten und Versammlungsfreiheit bedeuten (siehe: Infos Nager IT).

Die Wahl fiel schließlich auf die Produktion einer Computermaus, da dieses E-Gerät Jordan (zunächst) als relativ überschaubar erschien. Tatsächlich besteht jedoch auch eine kompakte PC-Maus aus etwa 20 Einzelteilen (wie Kondensatoren, Drehgebern, etc.) mit über 100 Einzelkomponenten, wovon viele im ostasiatischen Raum hergestellt werden.

Mittels eines Videoclips der Fernsehsendung „quer“ bot Tölgyi dem Publikum einen Einblick in die ersten Entwicklungsjahre von Nager IT. Dabei zeigte sich für Susanne Jordan rasch, dass die Lieferkette der Computermäuse von hoher Komplexität ist und etliche der Produktbestandteile lediglich unter unzulänglichen Arbeitsbedingungen gewonnen oder verarbeitet werden.

Fernsehbeitrag des Bayerischen Rundfunks über die fairen Computer-Mäuse

Transparenz als zentrales Gebot

Eine grundlegende Aufgabe des Teams von Nager IT besteht nun darin, durch beharrliches Nachfragen Informationen über die Herstellungsverhältnisse der einzelnen Computermaus-Komponenten zu erhalten.

Transparenz wird (als wesentliche Grundbedingung fairer Produktion) innerhalb des Projektes also großgeschrieben. Dies zeigt sich auch an der online abrufbaren Lieferketten-Darstellung (siehe Titelbild), anhand derer genau auszumachen ist, zu welchen Lieferanten keine Informationen vorliegen (=rot markiert), bei welchen Zuliefernden bereits gute Arbeitsbedingungen (=grün markiert) herrschen, etc.

Neben Recherchetätigkeiten leistet das Projektteam Aufklärung über faire Arbeitsbedingungen und sucht nach fairen Alternativen der Einzelteilproduktion für die Computermaus.

Ein Bild, das Decke, drinnen, Person, Wand enthält.

Automatisch generierte Beschreibung
Begrüßungsworte von Zsófia Tölgyi und Anita Rötzer (Südwind Salzburg)

Mut zu innovativem Denken

Anhand einiger Beispiele führte Tölgyi aus, welche Herausforderungen bei einem fairen Fertigungsanspruch immer wieder auftauchen. Bisher gelang es der „Nager IT“-Gruppe, welche mittlerweile sechs Mitarbeiter_innen zählt, in einem permanenten Verbesserungsprozess durch viel Überzeugungsarbeit etwa zwei Drittel der Computermaus-Bauteile aus fairer Produktion zu gewinnen. Doch die Vision ist klar: Eines Tages soll es eine zur Gänze faire Maus geben!

Zum Schluss der Veranstaltung ermutigte Tölgyi ihre Zuhörer_innen dazu, selbst kreativ zu werden und zu überlegen, mit welchen weiteren fairen Innovationen der IT-Bereich aufgemischt werden könnte.

Ob daraus nun zündende Produktideen resultierten oder nicht eines ist jedenfalls sicher: Das Projekt Nager IT zeigt, dass auch Einzelpersonen im Einsatz für faire Arbeitsbedingungen Beachtliches bewirken können!

Text und Fotos: Victoria Söser

Kommentar verfassen