Das waren die Afrika-Filmtage 2025

Von 13. bis 15. Mai 2025 fanden die 2. Afrika-Filmtage im Salzburger Filmkulturzentrum DAS KINO statt. Der Schwerpunkt lag auf dem Schaffen afrikanischer Regisseurinnen.

Bei den 2. Afrika-Filmtagen in Salzburg, organisiert vom Afro-Asiatischen Institut, der Nachrichtenagentur afrika.info und DAS KINO, standen diesmal afrikanische Filmemacherinnen im Mittelpunkt. Die gezeigten Werke boten einen authentischen Blick auf ihren Kontinent und beleuchteten vielfältige Lebensrealitäten von Frauen. Junge, ambitionierte Regisseurinnen führten das Publikum durch eindrucksvolle Erzählungen, die unter die Haut gingen.

Das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne war allgegenwärtig. Starke  Protagonist*innen ringen darum, in komplexen gesellschaftlichen Strukturen zu bestehen und sich von festgelegten Rollenbildern zu befreien. Themen wie Spurensuche, die Aufarbeitung
traumatischer Ereignisse und der Kampf um Freiheit in bewegten Zeiten wurden auf beeindruckendem filmischem Niveau umgesetzt. 

Der Eröffnungsfilm Goodbye Julia lockte zahlreiche Besucher*innen ins Kino und hinterließ ein tiefes Echo beim Publikum. Die eindrucksvolle, bildgewaltige Inszenierung fesselte nicht nur während der Vorstellung, sondern regte auch danach zu intensiven Diskussionen an. Beim stimmungsvollen Get Together an der Kinobar genossen die Gäste kulinarische Köstlichkeiten des äthiopischen Restaurants Habesha sowie fair gehandelte Spezialitäten von EZA Fairer Handel. Ein perfekter Rahmen, um Gleichgesinnte kennenzulernen und sich über den Film auszutauschen.

Mit beeindruckenden Bildern, einer einfühlsamen Inszenierung und starken schauspielerischen Leistungen beleuchtete der diesjährige Eröffnungsfilm Goodbye Julia das gespannte Verhältnis zwischen Nord- und Südsudan unmittelbar vor der Sezession. Ein mitreißendes, bewegendes Werk, getragen von zwei starken Frauen, das lange nachhallt.

In Goodbye Julia (Sudan 2023) erzählt Regisseur Mohamed Kordofani die auf tragische Weise miteinander verbundene Geschichte von zwei Frauen. Mona, eine muslimische Angehörige der gehobenen nordsudanesischen Mittelklasse, war vor ihrer Ehe eine bekannte Sängerin und führt nun eine glücklose Ehe mit ihrem Ehemann Akram.
Nachdem beide den Tod eines christlichen Mannes aus dem Süden verursacht haben, versucht Mona, ihre Schuldgefühle zu kompensieren, indem sie Julia, die ahnungslose Witwe des Ermordeten, als ihre Hausgehilfin anstellt.

Afrikanische Regisseurinnen vor den Vorhang

Regisseurinnen aus afrikanischen Ländern stehen völlig zu Unrecht im Schatten ihrer männlichen Kollegen. Dabei können afrikanische Filmemacherinnen mit ihrer visionären Erzählweise und ihrer poetischen Filmsprache immer häufiger auch die Jurys großer Filmfestspiele wie in Cannes oder Berlin überzeugen.“

 Zwei Spielfilmdebuts, die besonders hervorstachen, standen im Mittelpunkt der Afrika-Filmtage: The Bride der ruandischen Filmemacherin Myriam Uwiragiye Birara und Banel & Adama der französisch-senegalesischen Regisseurin Ramata-Toulaye Sy.

Eine eindringliche Geschichte über Selbstbestimmung

The Bride (Ruanda 2023) ist das beeindruckende Debüt der ruandischen Regisseurin Myriam Uwiragiye Birara. Der Film feierte bei der Berlinale 2023 seine Weltpremiere und hat dort eine lobende Erwähnung für den GWFF Best First Feature Film Award erhalten.

Die Handlung von The Bride ist im Jahr 1997 angesiedelt – drei Jahre nach dem Genozid in Ruanda. Eine junge Frau namens Eva träumt davon, Medizin zu studieren. Ihre Pläne werden jedoch jäh unterbrochen: Im Zuge einer traditionellen Ehezeremonie namens „guterura“ wird sie von einer Gruppe Männer entführt und gezwungen zu heiraten. In Stich gelassen von ihrer konservativen Familie, findet Eva Trost in der Freundschaft mit der Cousine ihres Ehemanns. Durch diese Beziehung entdeckt sie die traumatische Vergangenheit der Familie und steht vor der Entscheidung, zu bleiben oder zu fliehen.

Biraras inszenatorische Präzision und die subtile, aber kraftvolle Darstellung weiblicher Widerstandskraft machen The Bride zu einem Meilenstein im zeitgenössischen afrikanischen Kino. Der Film bringt nicht nur soziale Missstände zur Sprache, sondern bietet auch eine Plattform für Frauen, ihre Geschichten selbst zu erzählen – ein wichtiger Schritt hin zu mehr Diversität und Gleichberechtigung in der Filmbranche.

Publikumsgespräch mit Regisseurin Myriam Birara

Nach dem 70-minütigen Film war Regisseurin Myriam Uwiragiye Birara aus Ruanda zu einem Publikumsgespräch zugeschaltet, das von Sharon Lagat, Mitglied des Filmbeirats der Afrika-Filmtage, moderiert wurde. Birara erläuterte dem Publikum, dass die in dem Film gezeigten Traditionen wie Brautentführungen (guterura) und Praktiken wie Schamlippendehnung (labia stretching) Ende der 1990er-Jahre in Ruanda nicht selten waren. Außerdem gab Birara Einblick in die noch junge, aber aufstrebende Filmwirtschaft in der Hauptstadt Kigali.

Für Erheiterung sorgten ihre Erzählungen von ihren Unterhaltungen mit europäischen und amerikanischen Regisseur*innen auf diversen Filmfestivals. Diese würden sich manchmal damit brüsten, wie viele Millionen US-Dollar ihre Produktionen verschlungen hätte. „Ich habe noch nie jemanden erzählt, wie wenig mein Film gekostet hat“, lachte die junge Regisseurin, die beim Salzburger Publikum einen starken Eindruck hinterließ.  

Reflexion über Liebe und Tradition

Nicht weniger berührend war Banel & Adama (Senegal, Mali, Frankreich 2023) der französisch-senegalesischen Regisseurin Ramata-Toulaye Sy. Der Film handelt von einem jungen Paar, das in einem abgelegenen Dorf im Norden Senegals lebt. 

Die leidenschaftliche Liebe zwischen Banel und Adama steht im Widerspruch zu den traditionellen Erwartungen ihrer Gemeinschaft. Als Adama seine vorgesehene Rolle als Dorfoberhaupt ablehnt und Banel sich weigert, den konventionellen Pflichten einer Frau nachzukommen, geraten sie in Konflikt mit ihrer Umgebung. Die daraus resultierenden Spannungen führen zu unerwarteten und dramatischen Konsequenzen.

Sy inszeniert diese spannungsgeladene Geschichte in eindrucksvollen Bildern, die von der sengenden Hitze der Wüste und der stillen Schönheit der Landschaft durchzogen sind. Ihr Film feierte 2023 Premiere in Cannes und war für die Goldene Palme nominiert.

Weitere Meisterwerke aus Madagaskar und DR Kongo

Das Programm der Afrika-Filmtage 2025 bot darüber hinaus zwei weitere überzeugende Produktionen aus der Demokratischen Republik Kongo und Madagaskar.

In Disco Afrika (Madagaskar 2023) begleitet der madegassische Regisseur Luck Razanajaona den 20-jährigen Kwame auf der Suche nach seiner Identität. Um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, arbeitet Kwame in illegalen Saphirminen. Ein unerwartetes Ereignis zwingt ihn jedoch, in seine Heimatstadt zurückzukehren. Dort trifft er auf seine Mutter und alte Freunde und wird mit der allgegenwärtigen Korruption in seinem Land konfrontiert. Kwame steht vor der Entscheidung zwischen schnellem Geld und Loyalität, zwischen Individualismus und politischem Erwachen.

 In seinem fesselnden Spielfilmdebüt Omen (DR Kongo, Belgien 2023) beleuchtet der belgisch-kongolesische Regisseur und bekannte Rapper Baloji eindrucksvoll den Konflikt zwischen modernen Lebensweisen und traditionellen Überzeugungen in der heutigen kongolesischen Gesellschaft. In Omen kehrt ein junger Mann namens Koffi nach Jahren in Belgien mit seiner schwangeren, weißen Verlobten Aice in seine Heimatstadt Kinshasa zurück. Dort hofft er auf eine Versöhnung mit seiner Familie. Doch alte Traditionen und tief verwurzelte Aberglauben stellen sich Koffi in den Weg, da er als „zabolo“ – ein vermeintlicher Zauberer – gebrandmarkt wurde.

Filmauswahl durch breites Gremium an Expert*innen

Die Afrika-Filmtage werden von zahlreichen öffentlichen Einrichtungen, Organisationen und Unternehmen unterstützt: Land SalzburgStadt Salzburg, Pinto Africa, Österreichische EntwicklungszusammenarbeitDreikönigsaktion der Katholischen JungscharKatholische Frauenbewegunggendup – Universität SalzburgSüdwind SalzburgSEI SO FREIReferat Weltkirche der Erzdiözese SalzburgEZA Fairer Handel GmbH, Afrika-Plattform

Bei der Auswahl der Filme wurden Expert*innen für das afrikanische Kino ebenso miteinbezogen wie Vertreter*innen der afrikanischen Diaspora in Österreich. Außerdem wirkten die Teams von Filminitiativ Köln e.V. und der Afrikanischen Filmtage München im Auswahlprozess mit.

Weitere Informationen zum den Afrika-Filmtagen und den voran gegangenen Ausgaben gibt es auf der Website: https://afrikafilmtage.at.

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